Unfälle in Silos gehören zu den anspruchsvollsten Einsatzlagen der technischen Hilfeleistung.
Personen können in Getreide oder anderem Schüttgut versinken, von nachrutschendem Material verschüttet werden
oder durch Sauerstoffmangel und gefährliche Gase das Bewusstsein verlieren.
Zusätzlich erschweren enge Zugänge, große Höhen, technische Anlagen und eine möglicherweise explosionsfähige Atmosphäre die Rettung. Ein Silounfall erfordert deshalb eine besonders sorgfältige Erkundung, geeignete Spezialausrüstung und eine klar koordinierte Zusammenarbeit aller beteiligten Einsatzkräfte.
Was versteht man unter einem Silounfall?
Der Begriff Silounfall umfasst verschiedene Notfälle in landwirtschaftlichen oder gewerblichen Siloanlagen.
Betroffen sein können beispielsweise:
- Getreidesilos
- Futtermittelsilos
- Hackschnitzel- oder Pelletlager
- Silos für Mehl, Pulver und andere Schüttgüter
- Gärfutter- und Silagebehälter
- Industriebehälter und Lagertanks
Typische Einsatzmeldungen lauten „Person im Silo“, „Person verschüttet“, „Bewusstlose Person in Behälter“
oder „Arbeitsunfall in landwirtschaftlichem Betrieb“.
Hinter diesen Meldungen können sehr unterschiedliche Gefahren stecken.
Neben einer Verschüttung müssen auch Absturz, Sauerstoffmangel, gefährliche Gase,
laufende Maschinen oder ein Brand- und Explosionsrisiko berücksichtigt werden.
Warum ist Schüttgut so gefährlich?
Getreide, Mais, Pellets oder andere lose Materialien wirken auf den ersten Blick wie eine feste Oberfläche.
Tatsächlich können sie sich jedoch ähnlich wie eine Flüssigkeit bewegen.
Wird Material aus einem Silo entnommen, kann ein Trichter entstehen, der eine darauf stehende Person nach unten zieht.
Auch scheinbar tragfähige Materialbrücken können plötzlich einbrechen.
Zusätzlich können Anhaftungen an Silowänden abrutschen und Personen unter sich begraben.
Die Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe weist darauf hin, dass die Gefahr des Versinkens besonders während oder unmittelbar nach der Entnahme von Schüttgut besteht. Auch der Aufenthalt unter anhaftendem Material ist lebensgefährlich.
BGN: Gefahren in Behältern und Silos
Welche weiteren Gefahren bestehen bei einem Silounfall?
Sauerstoffmangel und gefährliche Gase
Abhängig vom gelagerten Material und den ablaufenden Prozessen kann sich im Silo eine gefährliche Atmosphäre bilden. Sauerstoffmangel sowie giftige oder erstickend wirkende Gase können innerhalb kurzer Zeit zur Bewusstlosigkeit führen.
Eine Rettung ohne Atemschutz kommt nur infrage, wenn gefährliche Stoffkonzentrationen und Sauerstoffmangel
sicher ausgeschlossen sind. Ein Geruchstest reicht hierfür keinesfalls aus.
Staub und Explosionsgefahr
Fein verteilte brennbare Stäube können zusammen mit Luft eine explosionsfähige Atmosphäre bilden.
Elektrische Betriebsmittel, Beleuchtung und weitere Geräte müssen deshalb passend zur ermittelten Gefährdung ausgewählt werden.
Absturz und enge Zugänge
Viele Silos besitzen Zugänge in größerer Höhe oder nur schmale Einstiegsöffnungen.
Dadurch bestehen Absturzgefahren für Einsatzkräfte und zusätzliche Schwierigkeiten beim Transport einer verletzten Person.
Technische Anlagen
Förderschnecken, Rührwerke, Austragseinrichtungen und weitere Anlagenteile können Einsatzkräfte gefährden.
Anlagen müssen deshalb fachkundig außer Betrieb genommen und gegen unbeabsichtigtes Wiedereinschalten gesichert werden.
Aufgaben der Feuerwehr bei einem Silounfall
Zu Beginn steht eine umfassende Erkundung.
Dabei sind unter anderem folgende Fragen wichtig:
- Wie viele Personen werden vermisst oder sind betroffen?
- Wo befindet sich die Person?
- Welches Material ist eingelagert?
- Läuft eine Befüllung oder Entnahme?
- Welche Maschinen und Fördereinrichtungen sind vorhanden?
- Besteht die Gefahr durch Gase, Sauerstoffmangel oder Staub?
- Welche Zugänge und Anschlagpunkte stehen zur Verfügung?
- Gibt es einen Rettungsplan des Betreibers?
- Welche Spezialkräfte und Rettungsmittel werden benötigt?
Parallel werden Rettungsdienst, Betreiber und gegebenenfalls weitere Fachkräfte eingebunden.
Je nach Lage können Einheiten für Atemschutz, Höhen- und Tiefenrettung, Gefahrstoffmessung
oder spezielle technische Hilfe erforderlich sein.
Wie kann eine Person aus einem Silo gerettet werden?
Das Rettungsverfahren richtet sich vollständig nach der konkreten Situation.
Eine universelle Methode für jeden Silounfall gibt es nicht.
Mögliche Bestandteile eines Rettungskonzeptes sind:
- Sicherung gegen Absturz
- Atemschutz und kontinuierliche Überwachung der Atmosphäre
- gesicherter Zugang über geeignete Einfahr- oder Rettungssysteme
- Auffanggurt, Rettungsgurt oder Rettungsschlaufe
- Flaschenzug-, Seil- oder Hubsysteme
- Schutz der verschütteten Person vor weiterem Material
- medizinische Versorgung während der Rettung
- kontrollierte Öffnung oder Entleerung durch Fachkräfte
Unkontrolliertes Ablassen von Schüttgut oder das eigenmächtige Öffnen einer Silowand kann die Lage verschärfen.
Das Vorgehen muss deshalb mit dem Betreiber und technisch qualifizierten Fachkräften abgestimmt werden.
Die DGUV Information 213-055 beschreibt Silos und enge Räume als besonders gefährliche Arbeitsbereiche.
Sie betont die Bedeutung vorbereiteter Rettungsverfahren und geeigneter Rettungsausrüstung.
Warum sind spontane Rettungsversuche so gefährlich?
Bei Silounfällen kommt es immer wieder vor, dass Kollegen, Angehörige oder andere Helfer spontan in das Silo einsteigen. Dadurch können weitere Personen durch dieselben Gase, Maschinen oder Schüttgutbewegungen in Gefahr geraten.
Wer einen Silounfall bemerkt, sollte deshalb:
- sofort den Notruf 112 verständigen
- keine ungesicherten Rettungsversuche unternehmen
- vorhandene Anlagen nur gefahrlos abschalten
- weitere Personen vom Gefahrenbereich fernhalten
- der Feuerwehr Informationen über Material und Anlage geben
Welche Ausrüstung kann erforderlich sein?
Abhängig von der Lage können unter anderem benötigt werden:
- umluftunabhängiger Atemschutz
- geeignete Mehrgasmessgeräte
- Absturzsicherung und Rettungsausrüstung
- Drehleiter, Hubrettungsfahrzeug oder Kran
- Schleifkorbtrage oder spezielle Rettungstrage
- Beleuchtung für explosionsgefährdete Bereiche
- Material zur Sicherung oder Abschirmung von Schüttgut
- geeignete Schutzkleidung und Handschutz
- Kommunikationsmittel für den Innen- und Außenbereich
Welche Ausrüstung eingesetzt wird, entscheidet die Einsatzleitung anhand der tatsächlich festgestellten Gefahren.
Ausbildung und Einsatzplanung
Betriebe mit Silos sollten mögliche Rettungsszenarien bereits vor einem Unfall gemeinsam mit der örtlich zuständigen Feuerwehr betrachten. Hilfreich sind Objektbegehungen, Feuerwehrpläne, Informationen über gelagerte Stoffe und bekannte Anschlagpunkte.
Die DGUV empfiehlt für komplexe Situationen schriftliche Rettungspläne und regelmäßige praktische Übungen.
Gerade bei Silounfällen kann eine vorbereitete Zusammenarbeit entscheidende Zeit sparen.
Häufig gestellte Fragen
Kann man auf Getreide in einem Silo stehen?
Eine scheinbar feste Oberfläche kann plötzlich nachgeben oder in Bewegung geraten.
Das Betreten von Schüttgut ist deshalb mit erheblichen Gefahren verbunden und erfordert besondere Sicherungsmaßnahmen.
Warum darf man nicht einfach in ein Silo einsteigen?
Neben der Verschüttungsgefahr können Sauerstoffmangel, gefährliche Gase,
Absturzstellen und laufende Maschinen vorhanden sein. Ein ungeschützter Einstieg kann weitere Opfer verursachen.
Benötigt die Feuerwehr bei einem Silounfall Atemschutz?
Das hängt von der ermittelten Atmosphäre ab. Solange Sauerstoffmangel oder
gefährliche Stoffkonzentrationen nicht sicher ausgeschlossen sind, ist geeigneter Atemschutz erforderlich.
Wer unterstützt die Feuerwehr bei einem Silounfall?
Je nach Lage können Rettungsdienst, Betreiber, Höhen- oder Tiefenrettung,
Gefahrguteinheiten, THW, Fachberater und Spezialfirmen beteiligt werden.
Können Silounfälle verhindert werden?
Vorbereitete Rettungspläne, gesicherte Zugänge, abgeschaltete Anlagen,
geeignete Einfahreinrichtungen und regelmäßige Unterweisungen reduzieren das Risiko erheblich.
Schutz bei der technischen Hilfeleistung
Bei technischen Arbeiten an scharfkantigen Bauteilen, Werkzeugen und Maschinen sind Beweglichkeit,
sicherer Grip und Schnittschutz wichtig.
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Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine feuerwehrtechnische Ausbildung, Gefährdungsbeurteilung oder objektspezifische Einsatzplanung.