AUTO-Regel Feuerwehr: Bedeutung & Anwendung erklärt | THLProtect

Bei Verkehrsunfällen gehört die strukturierte Erkundung eines verunfallten Fahrzeugs zu den wichtigen ersten Maßnahmen. Besonders moderne Fahrzeuge mit Elektro-, Hybrid-, Wasserstoff-, Flüssiggas- oder Erdgasantrieb können Gefahren aufweisen, die von außen nicht unmittelbar erkennbar sind.

Die AUTO-Regel ist eine Merkhilfe, mit der Einsatzkräfte Hinweise auf die Antriebsart und mögliche Gefahren eines Fahrzeugs systematisch erfassen können.

Die aktuelle DGUV Information 205-042 „Einsatzgrundsätze bei Fahrzeugen mit alternativen Antrieben“ führt die AUTO-Regel ausdrücklich als Erkundungshilfe auf.

AUTO steht für:

A – Austretende Betriebsstoffe
U – Unterboden, Motor- und Kofferraum erkunden
T – Tankdeckel öffnen
O – Oberfläche absuchen

Die AUTO-Regel unterstützt die Fahrzeugerkundung insbesondere dann, wenn die Antriebsart nicht sofort eindeutig erkennbar ist.


A – Austretende Betriebsstoffe erkennen

Der erste Punkt der AUTO-Regel betrifft mögliche austretende Betriebsstoffe oder Gase.

Bei einem Unfall können beispielsweise Kraftstoff, Motoröl, Kühlmittel oder andere Flüssigkeiten austreten. Bei Fahrzeugen mit alternativen Antrieben können darüber hinaus weitere Hinweise auftreten.

Einsatzkräfte sollten unter anderem auf folgende Auffälligkeiten achten:

  • Flüssigkeitsansammlungen unter dem Fahrzeug
  • ungewöhnliche Gerüche
  • Zisch- oder Knattergeräusche
  • Nebelbildung
  • Rauchentwicklung
  • beschädigte Leitungen
  • sichtbare elektrische Komponenten

Die DGUV nennt bei diesem Punkt ausdrücklich beispielsweise Zisch- oder Knattergeräusche, Gasgeruch sowie Lachen- oder Nebelbildung als mögliche Hinweise.

Bei Gasfahrzeugen können beispielsweise beschädigte Leitungen oder Druckbehälter von Bedeutung sein. Bei Elektro- und Hybridfahrzeugen muss insbesondere auf mögliche Beschädigungen des Hochvoltsystems geachtet werden.


U – Unterboden, Motor- und Kofferraum erkunden

Der zweite Punkt der AUTO-Regel umfasst mehr als nur den Unterboden.

Nach der aktuellen DGUV-Systematik sollen Unterboden, Motorraum und Kofferraum in die Erkundung einbezogen werden.

Dort können sich je nach Fahrzeug beispielsweise befinden:

  • Hochvoltbatterien
  • orangefarbene Hochvoltleitungen
  • Gastanks
  • Druckbehälter
  • Kraftstofftanks
  • Komponenten des Antriebssystems

Gerade bei Elektrofahrzeugen kann die Hochvoltbatterie großflächig im Fahrzeugboden verbaut sein.

Orangefarbene Leitungen können ein Hinweis auf Komponenten des Hochvoltsystems sein.

Wichtig ist dabei immer der Eigenschutz: Die Erkundung darf nicht dazu führen, dass Einsatzkräfte unnötig in einen Gefahrenbereich gelangen oder an beschädigten Hochvoltkomponenten manipulieren.

Die DGUV weist bei Elektrofahrzeugen ausdrücklich darauf hin, dass keine Manipulation an Hochvoltkomponenten wie dem Hochvoltspeicher oder orangefarbenen Hochvoltleitungen vorgenommen werden soll.


T – Tankdeckel öffnen

Der Tank- beziehungsweise Ladebereich kann wichtige Hinweise auf die Antriebsart eines Fahrzeugs liefern.

Nach der AUTO-Regel wird deshalb der Tankdeckel geöffnet beziehungsweise der entsprechende Bereich kontrolliert.

Dabei können beispielsweise folgende Hinweise erkennbar sein:

  • LPG
  • CNG
  • Wasserstoff
  • elektrische Ladeanschlüsse
  • zusätzliche Tank- oder Ladeklappen
  • alternative Betankungssysteme

Die DGUV nennt hier insbesondere alternative Betankungs- oder Ladesysteme sowie zusätzliche Tankdeckel als mögliche Erkennungsmerkmale.

Bei Plug-in-Hybridfahrzeugen können beispielsweise sowohl ein klassischer Kraftstoffeinfüllstutzen als auch ein Ladeanschluss vorhanden sein.

Gerade deshalb sollte sich die Fahrzeugerkundung nicht auf ein einzelnes Merkmal beschränken.


O – Oberfläche des Fahrzeugs absuchen

Zum Abschluss wird die Oberfläche des Fahrzeugs systematisch abgesucht.

Mögliche Hinweise auf einen alternativen Antrieb sind beispielsweise:

  • Schriftzüge wie „Hybrid“ oder „Electric“
  • Modell- oder Typbezeichnungen
  • Herstellerkennzeichnungen
  • zusätzliche Lade- oder Tankklappen
  • Überdruckventile
  • besondere Tankanschlüsse
  • ein fehlender Auspuff

Auch die DGUV nennt bei der Oberflächenkontrolle unter anderem Überdruckventile, einschlägige Beschriftungen sowie einen fehlenden Auspuff als mögliche Erkennungsmerkmale.

Ein einzelnes Merkmal sollte jedoch niemals isoliert betrachtet werden.

Beschriftungen können nach einem Verkehrsunfall beschädigt oder verdeckt sein. Außerdem unterscheiden sich Kennzeichnungen und Einbauorte je nach Hersteller und Fahrzeugmodell.


AUTO-Regel auf einen Blick

BuchstabeBedeutung
AAustretende Betriebsstoffe erkennen
UUnterboden, Motor- und Kofferraum erkunden
TTankdeckel öffnen und Tank-/Ladesystem erkennen
OOberfläche nach Hinweisen absuchen

Merksatz:
Austretende Betriebsstoffe – Unterboden – Tankdeckel – Oberfläche.


Welche Fahrzeugantriebe können eine Rolle spielen?

Im Einsatz treffen Feuerwehren heute auf unterschiedliche Antriebskonzepte.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Benzin- und Dieselfahrzeuge
  • batterieelektrische Fahrzeuge
  • Hybridfahrzeuge
  • Plug-in-Hybride
  • Erdgasfahrzeuge (CNG)
  • Flüssiggasfahrzeuge (LPG)
  • Fahrzeuge mit Wasserstoff beziehungsweise Brennstoffzelle

Bei Hybridfahrzeugen können sogar Gefährdungen aus mehreren Antriebsarten gleichzeitig bestehen. Darauf weist auch die DGUV ausdrücklich hin.

Die AUTO-Regel hilft deshalb besonders dann, wenn beim Eintreffen noch nicht eindeutig feststeht, mit welcher Antriebsart die Einsatzkräfte konfrontiert sind.


Rettungsdatenblatt und Fahrzeuginformationen zusätzlich nutzen

Die AUTO-Regel ersetzt nicht die weiteren Möglichkeiten zur Identifikation und Erkundung eines Fahrzeugs.

Bei Verkehrsunfällen können Rettungsdatenblätter und geeignete Informationssysteme zusätzliche wichtige Informationen liefern.

Dazu gehören beispielsweise Angaben zu:

  • Hochvoltbatterien
  • Hochvoltleitungen
  • Airbags
  • Gurtstraffern
  • Gasgeneratoren
  • Karosserieverstärkungen
  • Kraftstoff- und Gastanks
  • vorgesehenen Deaktivierungsmöglichkeiten

Die DGUV weist bei Fahrzeugen mit alternativen Antrieben darauf hin, dass eine Deaktivierung nach den jeweiligen Herstellerangaben, etwa mithilfe von Rettungsdatenblättern oder geeigneten Softwaresystemen, erfolgen soll.

Damit ergänzen sich AUTO-Regel, Fahrzeugidentifikation und Rettungsdatenblatt.


Besonderheit Elektro- und Hybridfahrzeuge

Bei Elektro- und Hybridfahrzeugen kommt dem Hochvoltsystem besondere Bedeutung zu.

Mögliche Hinweise auf einen beschädigten Hochvoltspeicher können nach Angaben der DGUV unter anderem sein:

  • auffällige Gerüche
  • Verformungen des Speichergehäuses
  • Zischen oder Pfeifen
  • Fremdkörper im Hochvoltspeicher
  • Rauchentwicklung

Beschädigte Hochvoltkomponenten dürfen nicht eigenmächtig manipuliert werden.

Weiterführende Informationen enthält die DGUV Information 205-022 „Sicherheit und Gesundheit bei Lösch- und Rettungsarbeiten an Kraftfahrzeugen mit Hochvoltspeicher“. Diese Publikation wurde 2026 vollständig neu gefasst.


Die AUTO-Regel ist eine Erkundungshilfe

Wichtig ist die richtige Einordnung:

Die AUTO-Regel ist kein vollständiges Einsatzschema für Verkehrsunfälle.

Sie unterstützt vielmehr einen Teil der Erkundung – insbesondere die Identifikation möglicher alternativer Antriebe und der damit verbundenen Gefahren.

Weitere Maßnahmen bei einem Verkehrsunfall können beispielsweise sein:

  • Einsatzstelle absichern
  • Brandschutz sicherstellen
  • Fahrzeug gegen Bewegung sichern
  • Zugang zum Patienten schaffen
  • medizinische Versorgung ermöglichen
  • technische Rettung vorbereiten
  • geeignete persönliche Schutzausrüstung verwenden

Mehr Grundlagen zur technischen Hilfeleistung findest du bei unseren THL-Tipps für Feuerwehr und technische Hilfeleistung.

THL-Tipps für Feuerwehr & technische Hilfeleistung


Schutz der Hände bei der technischen Hilfeleistung

Bei Verkehrsunfällen entstehen häufig zusätzliche mechanische Gefahren.

Beschädigte Fahrzeugteile können beispielsweise:

  • scharfkantig sein
  • aufgerissenes Blech aufweisen
  • Glassplitter enthalten
  • Kunststoff- oder Metallkanten bilden

Auch die DGUV nennt scharfkantige Fahrzeugkomponenten, beispielsweise nach dem Einsatz trennender Rettungsmittel, ausdrücklich als eine Gefahr, gegen die Einsatzkräfte gesichert werden müssen.

Geeignete Handschuhe für die technische Hilfeleistung sollten deshalb auf die auftretenden mechanischen Gefährdungen abgestimmt sein.

Weitere Informationen:

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Fazit: AUTO-Regel bei der Feuerwehr

Die AUTO-Regel bietet Feuerwehren eine leicht zu merkende Möglichkeit, verunfallte Fahrzeuge strukturiert auf Hinweise zu alternativen Antrieben zu untersuchen.

Sie steht für:

A – Austretende Betriebsstoffe
U – Unterboden, Motor- und Kofferraum erkunden
T – Tankdeckel öffnen
O – Oberfläche absuchen

Besonders bei Elektro-, Hybrid-, Flüssiggas-, Erdgas- und Wasserstofffahrzeugen können dadurch wichtige Hinweise frühzeitig erkannt werden.

Die AUTO-Regel ersetzt jedoch weder die vollständige Erkundung noch Rettungsdatenblätter, Herstellerinformationen oder die Gefährdungsbeurteilung an der Einsatzstelle.


Häufige Fragen zur AUTO-Regel

Was bedeutet AUTO bei der Feuerwehr?

AUTO steht für Austretende Betriebsstoffe, Unterboden/Motor-/Kofferraum erkunden, Tankdeckel öffnen und Oberfläche absuchen. Die Regel unterstützt Einsatzkräfte bei der Erkundung von Fahrzeugen, insbesondere bei alternativen Antrieben.

Wann wird die AUTO-Regel angewendet?

Die AUTO-Regel kann bei der Erkundung verunfallter Fahrzeuge angewendet werden. Sie ist besonders hilfreich, wenn die Antriebsart eines Fahrzeugs nicht sofort eindeutig erkennbar ist.

Gilt die AUTO-Regel nur für Elektroautos?

Nein. Die AUTO-Regel umfasst auch andere alternative Antriebe, beispielsweise Hybrid-, Flüssiggas-, Erdgas- und Wasserstofffahrzeuge.

Was bedeutet das U der AUTO-Regel?

Das U steht nach der aktuellen DGUV-Systematik für „Unterboden, Motor- und Kofferraum erkunden“. Dabei können beispielsweise Gastanks oder orangefarbene Hochvoltleitungen erkannt werden.

Was bedeutet das T der AUTO-Regel?

Das T steht für „Tankdeckel öffnen“. Dadurch können beispielsweise alternative Betankungs- oder Ladesysteme sowie zusätzliche Tankdeckel erkannt werden.

Ersetzt die AUTO-Regel das Rettungsdatenblatt?

Nein. Die AUTO-Regel dient als Erkundungshilfe. Rettungsdatenblätter beziehungsweise geeignete Fahrzeuginformationssysteme liefern zusätzliche fahrzeugspezifische Informationen.

Wo gibt es weitere Informationen zu Fahrzeugen mit alternativen Antrieben?

Eine aktuelle Grundlage ist die DGUV Information 205-042 „Einsatzgrundsätze bei Fahrzeugen mit alternativen Antrieben“, Ausgabe Februar 2026.

DGUV Information 205-042 – Einsatzgrundsätze bei Fahrzeugen mit alternativen Antrieben